Onlinehandel – ein Schlagwort, welches im Jahr 2020 zunehmend an Bedeutung gewinnt! Und das zu Recht: von 2013 bis Ende 2019 hat sich der Umsatz im Online-Handel nahezu verdoppelt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Menschen für dieses Thema interessieren. Einen Online-Shop aufzusetzen oder sich auf einer der bekannten Handelsplattformen zu registrieren wird von Tag zu Tag einfacher. Nicht vergessen darfst du dabei allerdings, dass auch hier versteckte Kosten entstehen können, auf die man zunächst gar nicht achtet. Wir möchten dir heute die verschiedenen Kostenarten vorstellen, die man zum Start beim Verkauf auf Amazon unbedingt beachten sollte!

Online-Handel – ein einfaches Geschäftsmodell

Viele selbsternannte “Gurus” im Internet bestehen auf dem Fakt, dass im Internet Geld zu verdienen das wohl simpelste Geschäft ist, welches heutzutage umsetzbar ist. Und zu Beginn mag das auch stimmen: Die Kosten für den Geschäftsstart halten sich eher gering. Möchte man beispielsweise einen Laden in der Innenstadt eröffnen, so sind die initialen und auch die laufenden Kosten weitaus höher. Da wäre zunächst Kaution und Miete für das Geschäft selbst – je nach Stadt und Gebiet können hier enorme Kosten anfallen. Dann natürlich Möbel und Inventar, denn man möchte dem Auge des Kunden natürlich etwas bieten. Nicht zuletzt erforderlich sind Sicherheitsmaßnahmen und Angestellte. Bis du also in einem Innenstadt-Geschäft wirklich zum Verkaufen kommst, vergeht einiges an Zeit.

Anders verhält es sich im Online-Handel: Registrieren oder Shop erstellen, die eigene Präsentation der Marke etwas verschönern, Bilder und Produkte einpflegen – und schon kannst du, zumindest theoretisch, starten!

Monatliche Fixkosten beim Verkauf auf Amazon

Um überhaupt auf Amazon verkaufen zu können, musst du dich als Händler auf der Plattform registrieren. Hier fallen logischerweise monatliche Gebühren an, um die man nicht herumkommt. Die monatlichen Fixkosten für ein professionelles Verkäuferkonto liegen derzeit bei 39,00€ zzgl. Umsatzsteuer. Wem das im ersten Moment viel erscheinen mag, der sollte sich noch einmal den oberen Absatz durchlesen, denn im Vergleich zum herkömmlichen Handel in einem eigenen Geschäft sind diese Kosten nur Peanuts. Zudem bekommst du dein eigenes Händlerprofil auf der wohl größten Handelsplattform der Welt und für Millionen von Kunden sind nun deine Produkte sichtbar. Diese Fixkosten sind jedoch nicht alles was du zahlst, wenn du mit dem Verkauf auf Amazon startest: Händler haben mit zusätzlichen Gebühren zu rechnen, welche wir dir im Folgenden genauer erläutern werden.

Verkaufsgebühren können variieren

Neben den monatlichen Fixkosten auf Amazon fallen Verkaufsgebühren an, die prozentual vom Verkaufspreis deines Produkts erhoben werden. Diese Gebühr fällt bei jedem Verkauf auf der Plattform an. Die niedrigsten Verkaufsgebühren werden dabei für Elektro-Großgeräte oder Computer erhoben. Mit 7% sind diese Kosten recht gering. Nicht in diese Kategorie fällt jegliche Art von Zubehör der Produkte. Verkauft man etwa Videospiel-Konsolen, so steigt die Verkaufsgebühr auf 8%. Für Bier, Wein und Spirituosen sowie Fahrräder schlagen 10% zu Buche, und beim Verkauf von Elektronik und Computerzubehör sowie Baumarkt-Artikel, Musikinstrumente und DJ-Equipment sollte man mit 12% zusätzlicher Kosten rechnen. Verkauft man beispielsweise Produkte, die sich unter Auto und Motorrad so berechnet Amazon eine Zusatzgebühr von ganzen 15%. Gleiches gilt beispielsweise für Videospiele, Produkte aus der Kategorie “Sport und Freizeit”, Bücher, Musik, VHS und DVD. Produkte, die in keine der oben genannten Kategorien fallen, werden automatisch mit einer Gebühr von nur 15% belastet. Zur besseren Übersicht findest du in der folgenden Tabelle die Verkaufsgebühren je nach Produktkategorie auf Amazon:

Versandinfos

Versandkosten mit Amazon FBA

Wer auf Amazon verkauft kann seine Produkte von Amazon versenden lassen. Dieses Model ist bekannt als Amazon FBA (Fulfillment by Amazon). Amazon selbst kümmert sich hierbei um den Versand der Waren deiner Produkte zum Kunden und wickelt Rückerstattungen ab. Das ist für dich als Verkäufer von Vorteil, denn du musst dich nun nur noch darum kümmern, den Kunden auf dein Produkt aufmerksam zu machen. Das bedeutet also, sobald du einen Kunden dazu gebracht hat, dein Produkt zu kaufen, hast du selbst mit dem Prozess kaum noch etwas zu tun.

Doch wie verhält es sich hier mit den Versandkosten? Auf den ersten Blick können diese sehr unübersichtlich erscheinen. Amazon versucht hier, die Händler mit möglichst gerechtfertigten Preisen zu unterstützen, damit diese wettbewerbsfähig bleiben können. Du zahlst keinerlei festgelegte Fixkosten für den Versand, sondern nur für das, was du auch wirklich nutzt. Die Versandgebühr wird jeweils pro Einheit bezahlt und ist abhängig von verschiedenen Faktoren, darunter Lagerort, Produkttyp, Abmessungen und Gewicht. Amazon bietet auf der Website einen Versandgebührenrechner an, mit dem Händler ganz einfach ausrechnen können, wie wirtschaftlich der Versand durch Amazon für die Einzelsituation genau ist. Den Rechner findet ihr hier: https://services.amazon.de/programme/versand-durch-amazon/preisgestaltung.html

 

Zusätzlich zu den Versandkosten pro versandtem Artikel, musst du natürlich auch im Hinterkopf haben, dass du deine Waren erst einmal zu Amazon in das Lager senden musst. Da du meist eine recht große Stückzahl eines Produkts zu Amazon sendest ist es meistens nicht mit einem Paket getan, sodass der Versand zu Amazon auch einiges an Kosten mit sich bringt. Außerdem musst du spezielle Etiketten an den Kartons anbringen, sodass Amazon diese unkompliziert einlagern kann. Gerade für kleine Private Label Seller macht es Sinn den Service von Amazon FBA zu nutzen und die Kosten in Kauf zu nehmen, die Fulfillment by Amazon mit sich bringt. Allerdings bietet Amazon auch die Möglichkeit die verkauften Artikel selbst zu versenden. Gerade für größere Firmen, die bereits eine bestehende Infrastruktur zur Abwicklung des Versands hin zum Kunden aufgebaut haben, sollte von Einzelfall zu Einzelfall geprüft werden, auf welche Art und Weise es günstiger ist den Versand abzuwickeln.

Amazon FBA Lagerkosten

Ein weiterer Faktor, den du bei der Nutzung von Amazon FBA nicht vergessen darfst sind die Lagerkosten. Das Konzept von Amazon FBA ist simpel: Die zu verkaufende Ware wird vom Händler an ein Amazon Warenlager verschickt, um dann von dort aus über das Amazon Fulfillment zum Kunden zu gelangen. Um die Waren bei Amazon lagern zu können, fallen nochmals Gebühren an. Mit dieser verhält es sich glücklicherweise um einiges übersichtlicher als mit den Versandkosten oder den Produktgebühren. Lagerkosten werden jeweils monatlich pro Kubikmeter berechnet. Jedoch unterscheidet sich die Höhe der Kosten je nach Saison und Größe. Zunächst einmal etwas zur zeitlichen Abgrenzung:

Als Hauptsaison bezeichnet Amazon den Zeitraum von Oktober bis Dezember eines jeden Jahres. Dies lässt sich dadurch herleiten, dass in dieser Zeit viele Festtage und Aktionen liegen, zu denen Kunden besondere Kaufbereitschaft zeigen (beispielsweise Weihnachten oder der Black Friday). Da die meisten Händler zu dieser Zeit mehr Umsatz machen und die Konkurrenz höher ist, sind auch die Lagerkosten höher. Von Januar bis September fallen die Kosten dann wieder.

Auch die Produktgröße hat Einfluss auf die Lagerkosten. Die meisten Produkte fallen unter die Standardgröße. Hier wird noch einmal zwischen Bekleidung und Schuhen sowie sonstigen Produkten unterschieden. Zusätzlich gibt es Produkte mit Übergröße.

Aber wie hoch sind die Amazon Lagerkosten nun genau? In der Nebensaison zahlt man für Bekleidung und Schuhe aktuell 15,60€/Kubikmeter, für sonstige Produkte in Standardgröße 26,00€ und für Produkte mit Übergröße 18,00€. In der Hauptsaison steigen die Preise etwas: Bekleidung und Schuhe liegen hier bei 21,60€, sonstige Produkte in Standardgröße auf 36,00€ und übergroße Produkte auf 25,00€.

Amazon FBA – Kosten für Marketing

Mit den oben genannten Kosten sollte jeder Händler für den Anfang gut bedient sein. Hast du dich damit genügend auseinandergesetzt, so kannst du im Grunde genommen direkt mit dem Verkauf starten. Perfekt! Also los geht’s… aber niemand kauft. Nachdem man sich monatelang mit dem Aufbau des eigenen Online-Auftrittes, Produktauswahl und Kostenmanagement beschäftigt hat, fehlt es plötzlich an der Kaufbereitschaft der Kunden. Diese Erfahrung macht wohl jeder, der sich das erste Mal am Online-Handel versucht. Und es ist auch völlig logisch, dass man mit der bloßen Präsenz auf Amazon noch keine hohen Umsätze macht. Man stelle sich allein mal vor, wie viele unterschiedliche Händler es auf dieser Plattform gibt, geschweige denn wie viele direkte Konkurrenten ähnliche oder sogar das gleiche Produkte an den Mann bringen wollen! Die richtige Marketing-Strategie ist also ebenfalls unerlässlich, wenn du auf Amazon Erfolg haben willst. Ein Fakt vorab: es lässt sich unmöglich pauschal sagen, wie viel Kapital man für das Marketing eines Produktes einplanen sollte. Die Kosten hier sind abhängig von Faktoren wie dem Kampagnen-Ziel, der Zielgruppengröße und der Kaufbereitschaft möglicher Kunden. Als Händler kannst du bereits mit 10€ am Tag erfolgreich und profitabel sein. Es gibt aber auch Zeiten, in denen man mehrere Hundert Euros investiert, bis überhaupt die richtige Zielgruppe gefunden ist. Jeder, der mit Amazon FBA Erfolg haben möchte, sollte hier also genügend Kapital einplanen, um das richtige Marketing für sich selbst zu finden. Hier ist die Devise: Testen, testen, testen!

Kosten für Retouren bei FBA

Nun sind wir auch schon fast am Ende und somit bei einem Thema angelangt, welches für die meisten Händler ein Dorn im Auge ist: die Retouren. Wer hört schon gerne, dass das Produkt, von dem man sich so unglaublich viel versprochen hatte, beim Kunden überhaupt nicht ankommt? Die Ware ist vielleicht auch beschädigt geliefert worden, oder während den ersten Tagen bereits kaputt gegangen. Was auch immer der Grund für eine Retoure ist: Als Händler trägst du die Verantwortung für glückliche Kunden. Der Kunde ist König – dieser Satz klingt zwar schon viel zu abgestumpft, trägt aber viel Wahrheit in sich. Denn gerade Amazon lebt dieses Motto mehr denn jedes andere Unternehmen in der heutigen Zeit. Und wenn du keine zufriedenen Kunden hat, wirst du auch keinen langfristigen Erfolg haben. Welche Kosten können also durch Retouren auf Online-Händler zukommen? Schauen wir uns zunächst einmal an, wie eine Retoure mit Amazon FBA abläuft.

Der Kunde bemerkt, dass er, aus welchem Grund auch immer, die Ware nicht behalten möchte und schickt diese zurück. Die Ware gelangt an das Amazon Warenlager und der Kunde bekommt den Kaufpreis durch Amazon zurückerstattet. Du als Online-Händler erhältst die Verkaufsprovision, welche durch Amazon bei jedem Verkauf berechnet wird, zu 80% zurück, während Amazon selbst 20% als Erstattungsgebühr einbehält. Gut sieht es für dich aus, wenn die Ware direkt an das Lager zurückgegangen ist und nicht beschädigt wurde. Nun kann der Artikel einfach an den nächsten Kunden verkauft werden. Ist die Ware jedoch beschädigt, taucht sie in der Übersicht des Händlers unter “nicht verkaufbare Ware” auf. Das Problem: Artikel in dieser Auflistung gehen automatisch in den Bestand von Amazon über. Das bedeutet, dass Amazon diese Artikel nun selbst verkaufen darf. So kam es schon vor, dass selbst Private Label Produkte später unter den Amazon Warehouse Deals auftauchten. Man kann defekte Artikel auch an die Händler-Adresse selbst zurückschicken lassen. Pro Artikel kostet das 25 Cent, ist also recht günstig und in Anbetracht der möglichen Konsequenzen auch empfehlenswert.

Solltest du Fulfillment bei Amazon nicht nutzen und deine Produkte selbst versenden, hast du mit den Kosten für die Retoure auf Amazon selbstverständlich nichts zu tun. Dann musst du deine Retouren selbst mit dem jeweiligen Kunden abwickeln und die Kosten hierfür tragen.

Zusammenfassung zu Kosten beim Verkauf auf Amazon

Was lässt sich also aus dieser Menge an Kosten als Fazit ziehen? Nun – das Geschäftsmodell Online Handel auf Amazon bringt viele nennenswerte Vorteile mit sich. Das Fulfillment wird bei FBA fast komplett durch die Handelsplattform übernommen und der Start in den Online-Handel ist hier heute sehr schnell und einfach möglich. Was man definitiv nicht außer Acht lassen darf ist die Vielfalt an Kosten, die dieses Geschäftsmodell mit sich bringen kann. Für dich als Händler empfehlen wir auf jeden Fall, vor dem eigentlichen Start alle Szenarien mit den Produktpreisen einmal durchzurechnen, um in Erfahrung zu bringen, wie profitabel das Geschäft mit Amazon für die geplanten Produkte wirklich ist. Auch solltest du genügend Kapital in Reserve haben, um mit möglichen Retouren oder Problemen klarkommen zu können und das Geschäft am Laufen zu halten. Grundsätzlich ist es jedoch eine Möglichkeit, die enorme Chancen mit sich bringt, auf der weltgrößten Handelsplattform verkaufen zu können. Und wenn du einmal die richtige Marketing-Strategie gefunden hat, dann ist es ein Leichtes, mit diesem Modell profitabel zu sein und nennenswerte Gewinne zu erzielen.

Tobias Dziuba

Tobias Dziuba

Mein Name ist Tobias und ich schreibe auf dieser Seite über Digitale Marketing Trends.