Als deutscher Online-Händler kann sich der Verkauf von Waren in die Schweiz lohnen. Die hohe Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung, sowie die geografische Nähe zu Deutschland sind dafür die wohl wichtigsten Argumente. Allerdings gibt es auch einige Probleme, die beim Verkauf und insbesondere dem Versand auftreten können.

Aktuelle Statistiken zum E Commerce in der Schweiz, Details zum Versand, dem Zoll, sowie dem Käuferschutz findest du im folgenden Beitrag. Auch dabei: Die Top 5 der umsatzstärksten Onlineshops mit Händlerprogramm in der Schweiz!

Darum kann sich der Verkauf in die Schweiz lohnen

Der E Commerce entwickelte sich in den letzten Jahren äußerst positiv. 2019 stieg der Umsatz des E Commerce in der Schweiz um 8,4 % auf 10,2 Milliarden Schweizer Franken an.

Als Folge der Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie könnte der Onlinehandel weltweit auch langfristig wachsen. Es kann davon ausgegangen werden, dass Menschen, die zuvor nie oder selten online eingekauft haben, auch nach dem Ende der Quarantänemaßnahmen weiterhin Waren über das Internet bestellen.

In der Tat gehen Experten davon aus, dass im Jahre 2020 der E Commerce ca. 50 % mehr Umsatz erzielt hat, als 2019. Gerade die Kategorien Heimelektronik, Mode und Sport konnten zuletzt ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen.

Darüber hinaus ist der Trend des Direktverkaufs nun auch in der Schweiz angekommen. Nach einer Umfrage der Credit Suisse Retail Outlook nutzen bereits ca. 60 % der Schweizer Hersteller diese Option. Auf diese Weise können auch Händler aus Deutschland ihre Waren direkt in die Schweiz verkaufen, ohne über den Einzelhandel zu gehen.

Schließlich ist die Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung deutlich größer, als die der Deutschen. Während diese in der Schweiz bei 40.500 € liegt, beträgt sie in Deutschland lediglich 23.000 €. Händler können sich dies zu Nutze machen, indem sie Kunden aus der Schweiz ansprechen, die im Ausland nach günstigeren Produkten suchen.

Diese Faktoren weisen darauf hin, dass der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in den Schweizer Onlinehandel gekommen ist.

Achtung: Diese Probleme gilt es zu überwinden

Da die Schweiz nicht der EU angehört, gibt es beim Versand dorthin und sogar der Gestaltung der Webseite einige Hürden, die es zu überwinden gilt. Im Folgenden möchte ich auf diese wichtigen Details eingehen.

Zoll

Die Eigenheit der Schweiz, Zollgebühren nicht nach Wert, sondern Gewicht zu bestimmen, kann zu Problemen führen. Beispielsweise können die Margen für Produkte, die zwar ein hohes Gewicht vorweisen, aber keinen hohen Verkaufswert haben, durch die anfallenden Zollgebühren entscheidend schrumpfen. Hinzu kommt, dass das Gewicht samt Verpackung und Füllmaterial bestimmt wird.

Es ist möglich, die Kosten nicht selbst zu tragen. In diesem Fall muss der Kunde bei Entgegennahme der Ware Zoll und Mehrwertsteuer entrichten. Grundsätzlich wird jedoch empfohlen, dies als Verkäufer zu übernehmen.

Versand

Neben dem Zoll ist auch der Versand in die Schweiz nicht ganz so einfach, wie man annehmen könnte. Dies liegt an der am 1. Januar 2019 eingeführten Versandhandelsregelung, die ausländische Händler verpflichtet, sich zum Zwecke der Abrechnung der Mehrwertsteuer bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung zu registrieren. Glücklicherweise gilt dies lediglich für Händler, die mit Kleinsendungen im Wert von bis zu 65 Franken einen Jahresumsatz von mehr als 100.00 Franken vorweisen können.

Weiterhin muss das Thema Retouren beachtet werden. Ähnlich wie deutsche Kunden senden auch Schweizer Kunden gerade in Branchen wie der Modebranche eine nicht zu vernachlässigende Menge an Produkten an den Verkäufer zurück. Dies muss insofern beachtet werden, dass allen Kunden eine Rücksendeadresse in der Schweiz zur Verfügung stehen sollte.

Helfen kann bei der Umsetzung des Versandes in die Schweiz sowie mögliche Retouren ein Fulfillment Dienstleister, der sich auf den Versand zwischen Deutschland und der Schweiz konzentriert. Die MS Direct AG bietet einen Versand innerhalb von 48 Stunden von Hamburg zum Endkunden in der Schweiz, übernimmt aber auch Aufgaben wie die Lagerung und Wiederaufbereitung von Retouren.

Käuferschutz

Während der Käuferschutz in der Schweiz nicht unbedingt so stark ist wie der in Deutschland, sollte man sich als Händler dennoch an die Regelungen in der Schweiz halten.

Hier sind die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Der Schweizer Kunde hat kein Rückgaberecht im Onlinehandel, es sei denn, dies wird im Kaufvertrag so definiert. Während Mitglieder des Schweizerischen Versandhandels (VSV) eine 14-tägige Frist gewähren, müssen Händler, die nicht Teil des VSV sind, dem Kunden kein Widerrufsrecht einräumen.
  • Gesetzlich festgelegte Lieferfristen gibt es nicht. Sollte der Händler jedoch eine solche Frist angeben, muss er sich auch daran halten.
  • Der Onlineshop muss Daten gemäß Art. 3 Abs. 1 lit. s UWG ersichtlich machen. Dazu gehören Informationen zur Identität, der Adresse und E-Mail. Zudem muss der Kunde über die zum Vertragsabschluss führenden Schritte unterrichtet werden, sowie technische Mittel zur Erkennung und Anpassungen von fehlerhaften Daten während des Bestellvorgangs zur Verfügung gestellt werden. Schließlich muss die Bestellung sofort auf elektronischem Wege bestätigt werden.

Die Top 5 E Commerce Plattformen mit Händlerprogramm

In der Schweiz gibt es neben den in Deutschland bekannten Marken Zalando, Amazon und Aliexpress noch die heimischen Shops Digitec und Galaxus, die ebenfalls spannende Partnerprogramme bieten. Hier sind die fünf umsatzstärksten Shops mit Händlerprogramm im Überblick:

Zalando.ch (920 Mio. CHF Umsatz in 2019)

Zalando.ch hat sich in den letzten Jahren zum umsatzstärksten E Commerce Marktplatz in der Schweiz entwickelt, dabei ist das Produktsortiment noch recht beschränkt. Die Hauptkategorien umfassen aktuell Schuhe, Bekleidung, Sport, Accessoires und Beauty.

Neben der Schweiz ist Zalando noch in zahlreichen weiteren Ländern Europas aktiv und zählt in etwa 35 Millionen Kunden. Mehr als 450 verschiedenen Marken sind bereits dem Partnerprogramm von Zalando beigetreten, darunter Adidas, Under Armour und Bershka. Zalando lässt Händlern dabei die Kontrolle über Preisgestaltung, Sortiment und Präsentation der Produkte.

Zalando Schweiz

Weitere Infos zum Partnerprogramm von Zalando.

Digitec.ch (820 Mio. CHF Umsatz in 2019)

digitec

Der in Deutschland gänzlich unbekannte Onlinehändler war lange Zeit die umsatzstärkste E Commerce Plattform in der Schweiz. Bereits 2018 konnte jedoch Zalando.ch die Spitzenposition übernehmen. Das Unternehmen Digitec Galaxus AG mit den beiden Marktplätzen Digitec.ch und Galaxus.ch ist in der Schweiz jedoch nach wie vor umsatzstärker als Zalando.

Das Händlerprogramm von Digitec.ch und Galaxus.ch lässt Händler Produkte unter eigenem Namen verkaufen. Gerade Elektronik, Software aber auch Haushaltsprodukte passen zum Onlineshop. Wer am Händlerprogramm teilnimmt, lässt Digitec Galaxus zwar alle Bestellungen administrieren und die Zahlungen entgegennehmen, tritt aber direkt als Verkäufer gegenüber dem Kunden auf.

Einer der größten Vorteile dieses Programms ist die enorme Reichweite der beiden Webseiten digitec.ch und galaxus.ch. Mit insgesamt ca. 15 Millionen Besuchen im Monat bietet diese Plattform für Verkäufer aus Deutschland eine geeignete Möglichkeit zum Markteintritt in der Schweiz.

Alle Details zum Händlerprogramm von Digitec.

Amazon.de (700 Mio. CHF Umsatz in 2019)

amazon deutschland

Amazon hat bisher davon abgesehen, Schweizern einen eigenen Online-Auftritt zu spendieren. Dies führt dazu, dass häufig Waren über Amazon.de, aber auch Amazon in Frankreich oder Italien bestellt werden. Aufgrund der oben genannten Hürden, wie dem Zoll oder den Versandkosten, lohnt sich dies jedoch lange nicht für alle Produkte – gerade wenn diese auch über Schweizer Onlineshops bestellt werden können.

Aus diesem Grund werden die meisten Produkte überhaupt erst gar nicht in die Schweiz geliefert. Wer trotzdem über Amazon.de den Schweizer Markt bedienen möchte, kann diese Aufgabe jedoch am besten in Zusammenarbeit mit einem Logistikdienstleister aus der Schweiz angehen.

Zum Amazon.de Partnerprogramm.

Aliexpress.com (500 Mio. CHF Umsatz in 2019)

aliexpress

Der Online Shop des chinesischen E Commerce Giganten Alibaba hat sich in den letzten Jahren auch in der Schweiz prächtig entwickelt. Auch wenn dessen Popularität seit der Covid-Krise gelitten hat, handelt es sich noch immer um eine Plattform, die man als Verkäufer nicht links liegen lassen darf. Zwar kommen die meisten Verkäufer aus dem asiatischen Raum, doch steht diese auch Händlern aus Deutschland offen.

Die Plattform punktet mit einer kostenlosen Kontoerstellung, einer geringen Kommission und einem bewährten Versandkonzept. Zudem lässt sich ein persönlicher Store erstellen. Aliexpress ist dank seiner internationalen Verfügbarkeit (mehr als 220 verfügbare Regionen und 18 lokalisierten Versionen der Webseite) gerade für solche Händler interessant, die Produkte nicht nur in die Schweiz verkaufen wollen, sondern einen wirklich internationalen Ansatz verfolgen.

Link zum Aliexpress Händlerprogramm.

Galaxus.ch (262 Mio. CHF Umsatz in 2019)

Galaxus.chGalaxus beschreibt sich selbst als “größtes Online-Warenhaus der Schweiz”. Als Marke der Digitec Galaxus AG ist der Onlineshop vergleichbar mit dem weiter oben aufgeführten Shop von Digitec. Das Sortiment umfasst allerdings nicht nur vorrangig Technik, sondern vor allem auch Haushaltsgeräte und Utensilien. Bei Galaxus lassen sich aber auch andere Produkte wie beispielsweise Schmuck, Mode und Spielzeug verkaufen.

Bei dem Händlerprogramm handelt es sich um jenes Programm, das Händlern auch Zugriff auf den Digitec-Shop gibt. Die Vorteile, darunter insbesondere die hohe Reichweite der Shops, gelten daher auch für Galaxus. Durch den starken Fokus auf Content- und E-Mail Marketing können die Produkte von Mitgliedern des Händlerprogramms effektiv vermarktet werden.

Ein weiterer Vorteil ist die Kostenstruktur von Galaxus und Digitec. Zwar werden für verkaufte Waren Gebühren fällig, jedoch wird auf eine Grundgebühr verzichtet. Die Verkaufsgebühr ist dabei von der jeweiligen Produktkategorie abhängig und kann zwischen 7 und 20 Prozent betragen.

Direkt zum Galaxus Händlerprogramm.

Tobias Dziuba

Tobias Dziuba

Mein Name ist Tobias und ich schreibe auf dieser Seite über Digitale Marketing Trends.